Nachahmung
Die Erzieherin als Vorbild
Kinder sind nachahmende Wesen. Worte und Belehrungen, alle an
den Verstand gerichteten Äußerungen, haben kaum
Bedeutung. Dies gilt besonders für Kinder mit Behinderung.
Aber alles, was die Erwachsenen tun, auch wie sie es tun (freudig,
widerwillig, fröhlich, entspannt), selbst Gedanken und
Stimmungen haben eine tiefe Wirkung auf das Kind. Besonders das
behinderte Kind ist auf dieses Vorbild angewiesen, da es nicht aus
eigener Kraft diese Willensstärke entfalten kann. Deshalb sind
die Erzieherinnen im Kindergarten mit sinnvollen, praktischen
Tätigkeiten beschäftigt, wie zum Beispiel
Essenszubereitung und handwerkliche Tätigkeiten
(Nähen, Weben, Filzen…) und bilden auf diese Weise
die Atmosphäre, in der Kinder zum Tun angeregt werden. Dinge
des alltäglichen Lebens können nachahmend
ausgeführt werden. Das schafft Selbstvertrauen in die eigene
Kraft.
Vorbilder und soziales Lernen in der altersgemischten Gruppe
Die tägliche Freispielzeit, der in der Waldorfpädagogik besonders große Bedeutung beigemessen wird, bietet den Kindern ein weites Feld, ihre sozialen Fähigkeiten zu entwickeln und zu üben. Um tragende Beziehungen zu anderen Kindern und zu den Erzieherinnen aufbauen zu können, vermeiden wir es möglichst während des Kindergartenjahres Kinder aufzunehmen. Das über längere Zeit konstant bleibende Gruppengefüge ist für behinderte Kinder von großer Bedeutung.
Auch auf das Spiel und die Tätigkeiten als Vorbild der gesunden Kinder sind die behinderten Kinder besonders angewiesen und können dieses in einer altersgemischten Gruppe ihren Fähigkeiten gemäß finden.
Besonders für die Integrationskinder bietet die altergemischte Gruppe die natürliche, selbstverständliche Möglichkeit dem Entwicklungsalter entsprechend Spielsituationen bzw. Spielkameraden vorzufinden. Die nicht behinderten Kinder nehmen die besonderen Kinder ihrem Entwicklungsstand gemäß in die Gruppe auf. Das tatsächliche Alter spielt hierbei eine untergeordnete Rolle.
Die altersgemischte Gruppe bewirkt, dass sich ältere
und jüngere Kinder arrangieren müssen. Besonders die
großen Kinder, die mit den Abläufen vertraut sind,
können den kleineren ein Vorbild sein. Sie sind sich ihres
Könnens bewusst und übernehmen selbstständig
Aufgaben und leiten hierbei die kleinen an. Besonders die
Integrationskinder im Vorschulalter gewinnen enorm an Selbstvertrauen
und Selbstwertgefühl je mehr sie diese Aufgaben
übernehmen können und erfahren Anerkennung in der
Gruppe. Verantwortungsbewusstsein, Durchhaltekraft und eine ernste
Arbeitshaltung entwickeln sich und schaffen somit die Voraussetzungen
für einen gelungenen Übertritt in die Schule.